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Politischer Anspruch

Zum Vergrößern anklicken "Politik verdirbt den Charakter", weiß der Volksmund zu sagen. Und selbst der große Goethe meint in seinem Faust I: "Ein garstig Lied! Pfui! ein politisch Lied..."

So also steht man in Deutschland zur Politik und genau so sieht sie auch aus. Nur zu gern überläßt man sie irgendwelchen anderen, um dann um so heftiger deren Werk und Wirken zu kritisieren.

Seit der Gründung 1815 kämpfen wir Burschenschafter gegen diese fatale Haltung an. Dem Vaterland und damit unserer politischen Schicksalsgemeinschaft verpflichtet, ist es für jeden von uns eine selbstverständliche Aufgabe, politisch zu denken, und wo oder wie auch immer möglich, politisch zu handeln.

Ausgangspunkt unseres politischen Denkens ist die Überzeugung, daß ein Volk sein Geschick selbst bestimmen soll, also die Herrschaft des Volkes über sich selbst. Nicht Gewerkschaften, Verbände, Bürokratien, Parteien oder andere Interessengruppen sollen Staatsgewalt ausüben, sondern der einzelne Staatsbürger, gegebenenfalls als Mitglied einer der vorgenannten Gruppierungen. Genau so steht es übrigens auch im Grundgesetz unserer Bundesrepublik in Artikel 20 (2): "Alle Staatsgewalt geht vom Volk aus...."

Dieses Postulat stellt einen ethisch hohen Anspruch an den Bürger, denn zur "Staatsgewalt", also zur Macht gehört die Verantwortung, wenn sie nicht zur Tyrannei und Willkür verkommen soll.

Einer solchen Verantwortung kann aber nur der gerecht werden, der um die Vielgestalt politischer Möglichkeiten weiß. Aus den Bereichen der Philosophie, der Geschichte, der Volkswirtschaftslehre und den Naturwissenschaften schöpfend, wird dieses Wissen keinem in die Wiege gelegt und nur fragmentarisch während der Schulzeit vermittelt. Es aufzubauen, zu vertiefen und zu verbreitern ist Ziel und Inhalt dessen, was wir Burschenschafter "politische Arbeit" nennen.

Dafür nehmen wir an Burschenschaftlichen Abenden oder Seminaren teil, die unser Dachverband ausrichtet. Ein wichtiges Element dieser Bildungsarbeit ist ferner auch das generationen-, berufs- und parteiübergreifende Gespräch zwischen den Bundesbrüdern.

Nicht zuletzt aus dem so gewonnenen Wissen resultiert die parteipolitische Unabhängigkeit der Burschenschaft, allen Versuchen ihrer Gegner zum Trotz, sie auf ein bestimmtes parteipolitisches Lager festzulegen.


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